WEF-Gründer Schwab und die Rettung der Welt

Blogbeitrag Bürgerforum Schweiz, 16. Juli 2021


Für viele Aktivisten des Corona-Widerstands ist WEF-Gründer Klaus Schwab zur Hassfigur geworden. Neben ihm in der Galerie: Bill Gates, Georg Soros, Angela Merkel, Jens Spahn, Karl Lauterbach, Alain Berset, Isabella Eckerle u.a.m..


Schwab wird in den Sozialen Medien gerne und oft als 'Blofeld' dargestellt; als Abbild des Bösewichts, der in James Bond-Filmen hochkriminell und über Leichen gehend nach der Weltherrschaft trachtet. Tatsächlich hat Schwab in seinem 2020 erschienenen Buch 'The great Reset' [i] die Neuordnung der Welt angeregt. Wie andere Vertreter weltherrschaftlicher Visionen (z.B. Marx, Hitler, Mao), so hat sich auch Schwab die Mühe gemacht, seine Ideen einer neuen, besseren Welt zu publizieren.



"Die Welt ist dem Untergang geweiht!"


Wenn Widerständler die Corona-Politik von Bundesrat, BAG und Taskforce kritisieren, werfen sie den verantwortlichen Personen vor, vielfach undifferenziert, evidenzlos, angstgetrieben, willkürlich und überaus schädigend vorzugehen.


Qualitäten, die wir von unseren Gegnern erwarten, sollten wir selber an den Tag legen! Darum seien auf den folgenden Zeilen wichtige Thesen und Forderungen von Klaus Schwabs Reset differenziert ausgewiesen und zur Diskussion gestellt. Die Zitate stammen aus der Deutschen Ausgabe 'Covid-19: Der grosse Umbruch'. Lassen wir also den WEF-Gründer selber zu Wort kommen:


  • "Covid-19 erzählt gerade eine Geschichte des Versagens der globalen Ordnungspolitik." (Schwab, Covid-19, S. 134). "Die Bruchlinien der Welt - vor allem die sozialen Gräben, mangelnde Gerechtigkeit, fehlende Kooperartion, das Versagen von Global Governance und Leardership - sind jetzt offensichtlich wie nie zuvor, und die Menschen spüren, dass die Zeit für einen Paradigmenwechsel gekommen ist. Eine neue Welt wird entstehen, deren Umrisse wir ersinnen und skizzieren müssen." (S. 12)

  • "Wenn wir als menschliche Wesen nicht zusammenarbeiten, um unseren existenziellen Herausforderungen (u.a. Umwelt und die sich im freien Fall befindende globale Ordnungspolitik) zu begegnen, sind wir dem Untergang geweiht." (S. 259)


USA-Bashing und China-Propaganda


Schwab schildert die aktuelle Weltbühne primär vor dem Hintergrund des Antagonismus zwischen den USA und China. Er betont beim individualistisch geprägten, angelsächsischen System (USA, Grossbritannien) primär die Schattenseiten (S. 89ff.):

  • Wettbewerb vor Solidarität

  • schöpferische Zerstörung vor staatlicher Intervention

  • Wirtschaftswachstum vor sozialem Wohlergehen

  • Arbeitslosigkeit, Armut und die Vermögensungleichheit, die systematisch "verfolgt werden sollte" (S. 67)!

Resultierend in seinem Bashing der USA meint Schwab, Covid-19 werde voraussichtlich den Tod des Neoliberalismus einläuten. Seine Aversion wird deutlich anhand folgender Aussage: "Es ist kein Zufall, dass die beiden Länder, die in den letzten Jahren mit grösstem Eifer neoliberale Politik betrieben - die USA und Grossbritannien - zu den Ländern gehören, die während der Pandemie die meisten Opfer zu beklagen hatten." (S. 90). Natürlich liegt Schwab weit daneben. Gemäss Worldometers.info belegt Grossbritannien bzgl. Corona-Sterblichkeit aktuell Rang 20, die USA Rang 21. Andere Länder haben zum Teil drastisch höhere Todesraten. Zudem muss die Rangliste angezweifelt werden, da die Verlässlichkeit der Angaben aus sozialistischen oder kommunistischen Staaten (Nordkorea, Venezuela, Nicaragua, Aserbeidschan etc.) rund um die Welt höchst zweifelhaft ist. Schwabs Feststellung entspringt somit seinem Wunschdenken.

Ganz anders beurteilt Klaus Schwab das kommunistische China. Er schreibt: "Im Gegensatz zur (ehemaligen) Sowjetunion versucht China nicht, der Welt seine Ideologie aufzuzwingen." (S. 138). Er benennt Demütigungen, welche der Westen China in der Vergangenheit angetan hat und versteht das gespannte Verhältnis zur USA. Lobend hebt er die Hilfeleistungen hervor, welche China im Falle von Katastophen in jüngster Vergangenheit gebeutelten Nationen angedeihen liess. Schwab freut sich über Chinas Fortschritte zur Umsetzung digitaler Währung und vermittelt generell Hochachtung für das chinesische Modell. Hingegen scheint der WEF-Chef übersehen zu haben, dass Xi Jinping und seine engste Entourage vor laufender Kamera einen Eid abgelegt haben, den Kommunismus Maos über die ganze Welt zu verbreiten. Schwab schweigt ebenfalls zum kolossalen Raubzug auf geistiges Eigentum anderer Nationen durch chinesische Spione und Hacker. Kein Wort zur innovationsschwachen Epigonenwirtschaft Chinas. Nichts zum Genozid an den Uiguren. Kein Wort zu Nordkorea, das sein Terrorregime nur durch die Schutzmacht China aufrecht erhalten kann. Kein Wort zu Tibet und zur totalitären Überwachung des chinesischen Volkes. Kein Wort zur fatalen Rolle Chinas im Umgang mit dem Coronavirus. Stillschweigen auch zur Verfolgung religiöser Minderheiten (in vielen Kirchen mussten Kreuze durch Portraits Xi Jinpings ersetzt werden).


Schwab scheint den Menschenrechten, der persönlichen Freiheit und dem individuellen Gestaltungswillen der Menschen in seinem Chinabild keinerlei Bedeutung zuzumessen. Viel lieber erwähnt er im Hinblick das Reich der Mitte den Konfuzianismus, der das Pflichtbewusstsein und die Solidarität zwischen den Generationen über die persönlichen Rechte stelle (S. 101). Totalitärer Korporatismus ist für den WEF-Gründer also eine willkommene Option der Staatsgestaltung.


Schwab bilanziert: "Die USA ist in der von der Pandemie ausgelösten Krise gestrauchelt und ihr Einfluss ist geschwunden. Währenddessen kann China versuchen, von der Krise zu profitieren, indem es seinen Einflussbereich im Ausland ausdehnt" (S. 147).


Schwabs 'Schöne neue Welt'


Wer den WEF-Chef als neoliberalen Kapitalisten eingestuft hat, sieht sich beim Lesen seines Buches getäuscht. Die neue Welt, die es zu gestalten gilt, zeigt ein sozialistisches, ja kommunistisches Gesicht. Natürlich braucht es dazu neue Menschen, die mit ihrem Verhalten dem 'Great Reset' zum Durchbruch verhelfen. Hier einige Streiflichter aus Schwabs schöner, neuer Welt:

  • die Volkswirtschaften werden in eine gerechtere, grünere Zukunft geführt (S. 65)

  • wachsender Konsumverzicht der Menschen; bis hin zum Ideal des Minimalismus (S. 284-286): alles, was wir nicht wirklich brauchen, weglassen, um einen positiven Kreislauf zu Gunsten der Umwelt in Gang zu setzen (S. 171)

  • Regierungen fördern das öffentliche Wohl (S. 105)

  • Qualitätssteigerung in der Ausbildung (S. 109)

  • Neudefinition des Gesellschaftsvertrags (S. 113, 117)

  • die junge Generation ist ein entschlossener Vorreiter des sozialen Wandels. Es bestehen laut Schwab nur wenige Zweifel, dass sie "ein Katalysator des Wandels und eine entscheidende Quelle für den grossen Umbruch sein wird" (S. 118)

  • Deglobalisierung (S. 130)

  • aktiver Schutz der biologischen Vielfalt (S. 162)

  • Dekarbonisierung (S. 165)

  • die Weltwirtschaft auf eine bessere Art und Weise wieder aufbauen (S. 169)

  • den Weltbewohnern klar machen, dass die Umstellung des Systems auf eine naturfreundliche Norm eine zwingende Notwendigkeit ist; schwerwiegendes Klimarisiko (S. 176)

  • Ausbau des Überwachungssystems (S. 187ff.)

  • Haltung des Eigeninteresses aufgeben; der Inklusivität und der Fairness mehr Aufmerksamkeit schenken (S. 267).

  • Suche nach einem höheren Sinn; ein besseres Selbst und eine bessere Welt entstehen lassen (S. 253).


Beschwören des grossen Umbruchs


Angesichts des Versagens der globalen Ordnungspolitik und der dem Untergang entgegengehenden Welt nennt Klaus Schwab den 'Reset' eine zwingende Notwendigkeit. Um die drohende Katastrophe zu verhindern, "müssen wir unverzüglich den Grossen Umbruch in Gang setzen" (S. 292).


Bei seinen Vorschlägen, wie es zur Rettung der Welt kommen soll, bleibt Schwab jedoch zurückhaltend, vage und unsicher. Er führt aus, dass die erfolgreiche Arbeit der internationalen Organisationen (UNO, WHO, WTO) momentan durch Eigeninteressen, Nationalismus (S. 132), Unterfinanzierung und Bevormundung (S. 129) verhindert werde. So gebe es keine wirksame internationale Zusammenarbeit zur Lösung der dringendsten globalen Probleme "Klima, gesellschaftliche Instabilität und Pandemien" (S. 131f.).


Die Führungsrolle bei der Verwirklichung der Neuen Welt und des Neuen Menschen sollen offenbar die internationalen Organisationen übernehmen. Schwab macht jedoch keine konkreten Vorschläge, sondern wirft lediglich die Frage auf, "ob die bestehenden Organisationen der globalen Ordnungspolitik (z.B. die UNO und die WHO) zur Bewältigung der heutigen globalen Krisen umfunktioniert werden können." (S. 137)


Der WEF-Gründer scheint jedoch wenig Hoffnung zu haben, dass der 'Reset' wirklich gelingen wird. "Es besteht die sehr reale Gefahr. dass die Welt morgen noch gespaltener, nationalistischer und konfliktträchtiger sein wird, als heute" (S. 297). So kulminiert Schwabs Argumentation in einer Mischung aus Drohszenarien und Beschwörungen:

  • "Wenn wir die Funktionsweise und Legitimität unserer globalen Institutionen nicht verbessern, wird die Welt bald unkontrollierbar und sehr gefährlich werden." (S. 131)

  • "Wir riskieren, in ein Zeitalter der Entropie einzutreten, in dem Sparmassnahmen, Fragmentierung, Zorn und Kleingeistigkeit unsere globale Landschaft prägen." (S. 121)

  • "Dystopische Szenarien sind kein unvermeindliches Schicksal. In jedem Fall wird in der Zeit nach der Pandemie die persönliche Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen eine viel höhere Priorität in der Gesellschaft haben, weshalb der einmal freigelassene Flaschengeist der technischen Überwachung nicht wieder zurück in die Flasche gesteckt werden wird." (S. 201f.)

  • "Wenn wir als menschliche Wesen nicht zusammenarbeiten, um unseren existenziellen Herausforderungen ... zu begegnen, sind wir dem Untergang geweiht. Wir haben also keine andere Wahl, als die Engel in uns ans Licht zu holen." (S. 259)



Tod der freien Marktwirtschaft!


Schwabs Buch erstaunt und schockiert. Es offenbart einen Menschen, der die real existierende Menschenheit nicht akzeptieren kann. Darum will er eine 'Neue Welt'. Selbstkritische Töne bezüglich des zentralen Themas sind in Schwabs Text leider nicht zu finden. Totalitäre Entwürfe für eine Neue Welt hat es seit Platon ja etliche gegeben (Morus, Marx, Nietzsche, Marcuse, Mao, Hitler, Pol Pot etc.). Die Verwirklichung ist jedes Mal gescheitert und hat insgesamt hunderte von Millionen Menschenleben gekostet. Dass Schwab vor einem solch dunklen Hintergrund unbefangen drauflos phantasiert, wirft ein schlechtes Licht auf den hochbegabten Manager und Verkäufer.


Natürlich bleibt es dem WEF-Gründer unbenommen, Schattenseiten des Kapitalismus zu kritisieren und eine bessere Welt zu wünschen. Dass er die neuen Menschen zu minimalistischem Konsum führen will, kann man noch als Marotte abtun. Dass er opportunistisch die Dekarbonisierung plant, ist bereits gefährlicher Mainstream.


Doch dass Klaus Schwab schliesslich das chinesische Unterwerfungssystem als valable Option für das Wohlergehen der Menschen anpreist, ist ein veritabler Schock. Schwab ist in seiner China-Freundlichkeit tatsächlich so weit gegangen, die Vermögensungleichheit zur staatlichen Verfolgung auszuschreiben (S. 67). Damit hat er Fundamente einer freien Gesellschaft und einer ebensolchen Marktwirtschaft verworfen (Wirtschaftsfreiheit, Recht auf Eigentum). Offenbar hat der WEF-Gründer sich blenden lassen von der erstarkten Wirtschafts- und Militärmacht Chinas und vergessen, wo Maos/Xi Jinpings Traum hinführt.


Der Vergleich mit dem Bösewicht Blofeld ist also nicht ganz unbegründet. Klaus Schwab ist zwar kaum ein militärisch aktiver Verschwörer. Doch hat er, getrieben von seinem Wunsch, an der Gestaltung der Weltherrschaft teilzuhaben, definitiv aufs falsche Pferd gesetzt. Es ist ihm zu wünschen, dass er zur Besinnung kommt. Anschliessend möge er seine Begabungen wieder für menschenfreundliche Ziele einsetzen, um bei der Verteidigung und beim Aufbau demokratischer, freier Gesellschaften mitzuwirken.

[i] In Deutsch erschienen als: Covid-19: Der grosse Umbruch. Cologny/Genf 2020.


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